SOLL und HABEN – Wie merke ich mir das?

SOLL und HABEN – Wie merke ich mir das?

Die doppelte Buchung ist Segen und Fluch zugleich. Wer aber einmal die Vorteile der doppelten Buchführung für die eigene Vereinsbuchhaltung erkannt hat, wird sie nicht mehr missen wollen. Was war jetzt wieder dieses SOLL und wo gehört das HABEN hin? Wir zeigen dir eine einfache Eselsbrücke, mit der du es dir ab sofort merkst.

Wenn dein Kontenplan erstmal erstellt ist und du weisst, wie man die alltäglichen Buchungen macht, bist du meistens auf der sicheren Seite. Aber irgendwann kommt jede:r Kassier:in an den Punkt, an dem es zu einer Spezialbuchung kommt. Dabei handelt es sich nicht um eine einfache Einnahme oder Ausgabe. Und weil Soll und Haben je nach Art des Kontos unterschiedlich sind, führt das immer wieder zu Verwirrungen.

Die Eselsbrücke für Soll und Haben

Die Eselsbrücke
Da wo das Geld hin „soll“, ist das Soll. Da wo wir es jetzt „haben“, ist das Haben.

Mit diesem Merksatz kommst du in den allermeisten Fällen weiter. Weil Soll und Haben aber je nach Kontoart für eine Zunahme oder eine Abnahme stehen, lohnt sich zusätzlich der Griff zur Übersicht:

Übersicht Soll und Haben nach Kontoart: Aktivkonten, Passivkonten, Aufwandskonten und Ertragskonten
Soll und Haben nach Kontoart im Überblick
KontoartZunahme (Mehr)Abnahme (Weniger)
Aktivkonto (z. B. Kasse, Bank, Debitoren)SollHaben
Passivkonto (z. B. Kreditoren, Eigenkapital)HabenSoll
AufwandskontoSollHaben
ErtragskontoHabenSoll
Soll und Haben nach Kontoart in der Vereinsbuchhaltung

Begriffe kurz erklärt
Sollseite: die linke Seite eines Kontos bzw. T-Kontos.
Habenseite: die rechte Seite eines Kontos bzw. T-Kontos.
Kreditoren: Lieferanten oder Personen, denen dein Verein noch Geld schuldet – das Gegenstück zu den Debitoren.

Willst du wissen, welche Kontoarten es gibt und wie sie zusammenhängen? Das erklären wir ausführlich im Artikel Doppelte Buchhaltung für Vereine.

Das T-Konto: Soll und Haben visualisiert

Der Name kommt von der Form: Ein T-Konto sieht aus wie der Buchstabe T. Oben steht der Kontoname, darunter eine horizontale Linie, und eine vertikale Linie teilt das Konto in zwei Spalten – links das Soll, rechts das Haben. Diese Darstellung stammt aus der Zeit, als Buchhaltung noch von Hand geführt wurde. Sie hilft aber bis heute, Buchungen nachzuvollziehen, auch wenn eine Vereinssoftware die eigentliche Arbeit übernimmt.

Aufbau eines T-Kontos

Jede Buchung wird auf einer der beiden Seiten eingetragen, meist mit dem Gegenkonto als Text und dem Betrag. Am Ende einer Periode – zum Beispiel vor dem Jahresabschluss – werden beide Seiten separat zusammengezählt. Die Differenz zwischen den beiden Summen ist der Saldo, also der aktuelle Kontostand. Dabei gilt unabhängig von der Kontoart immer: Das Soll steht links, das Haben rechts.

Nehmen wir zuerst die einfache Einzahlung von CHF 300 aus der Kasse auf die Bank (Beispiel 1 weiter unten). So sieht das T-Konto „Kasse“ dazu aus:

SollHaben
 an Bank CHF 300
T-Konto „Kasse“ – Soll immer links, Haben immer rechts

Auf dem Gegenkonto „Bank“ steht der gleiche Betrag spiegelverkehrt im Soll. So bleiben Soll und Haben über alle Konten hinweg immer im Gleichgewicht.

Ein T-Konto mit mehreren Buchungen

In der Praxis sammeln sich auf einem Konto über die Zeit mehrere Buchungen an. Nehmen wir das Bankkonto eines Vereins über einen Monat: Es startet mit einem Anfangsbestand, es kommen zwei Gutschriften dazu, und eine Rechnung wird bezahlt.

Soll (Bank)

  • Anfangsbestand: CHF 1’000
  • Kasse (Einzahlung): CHF 300
  • Mitgliederbeiträge: CHF 200

Summe Soll: CHF 1’500

Haben (Bank)

  • Vereinslokal (Miete): CHF 150

Summe Haben: CHF 150
Saldo (Schlussbestand): CHF 1’350

Der Saldo wird auf der kleineren Seite eingetragen, damit beide Seiten gleich gross sind: CHF 1’500 (Soll) = CHF 150 + CHF 1’350 (Haben). Er zeigt den aktuellen Kontostand und wird zur nächsten Periode als neuer Anfangsbestand übertragen – bei einem Aktivkonto wie der Bank steht dieser Anfangsbestand wieder im Soll.

Beispiele für Soll- und Haben-Buchungen

Definition Buchungssatz
Ein Buchungssatz ist die Kurzschreibweise für eine Buchung: Soll-Konto an Haben-Konto. „Bank an Kasse CHF 300“ heisst also: Die Bank wird im Soll, die Kasse im Haben bebucht.

Beispiel 1: Bareinzahlung Kasse → Bank

Wir zahlen CHF 300 aus der Barkasse auf das Bankkonto ein. Beide sind Aktivkonten: Die Kasse nimmt ab (Haben), die Bank nimmt zu (Soll).

Buchungssatz: Bank an Kasse CHF 300

Beispiel 2: Mitgliederbeitrag per Überweisung

Ein Mitglied bezahlt seinen Jahresbeitrag per Banküberweisung. Das Ertragskonto „Mitgliederbeiträge“ nimmt zu (Haben), die Bank als Aktivkonto nimmt ebenfalls zu (Soll).

Buchungssatz: Bank an Mitgliederbeiträge

Beispiel 3: Spende erhalten

Ein Sponsor überweist CHF 1000 als Spende. Das Ertragskonto „Spenden“ (auch Erlöskonto genannt) nimmt zu (Haben), die Bank nimmt ebenfalls zu (Soll).

Buchungssatz: Bank an Spenden CHF 1000

Beispiel 4: Mitgliederbeitrag mit Rechnung (Debitoren)

Falls du mit Debitoren arbeitest, erfolgt die Buchung in zwei Schritten: zuerst die Rechnungsstellung, dann der Zahlungseingang.

SchrittSollHaben
1. Rechnung erstellenDebitorenMitgliederbeiträge
2. ZahlungseingangBankDebitoren
Soll und Haben bei Mitgliederbeiträgen mit Debitoren

Alle Buchungssätze auf einen Blick

VorgangSoll-KontoHaben-Konto
Einzahlung Kasse → BankBankKasse (CHF 300)
Mitgliederbeitrag per ÜberweisungBankMitgliederbeiträge
Spende erhaltenBankSpenden (CHF 1000)
Rechnung stellen (Debitoren)DebitorenMitgliederbeiträge
Zahlungseingang DebitorenBankDebitoren
Übersicht aller Beispiel-Buchungssätze

Häufig gestellte Fragen zu Soll und Haben

Ist Soll immer links und Haben immer rechts?

Ja. Auf einem klassischen T-Konto steht das Soll immer auf der linken Seite und das Haben immer auf der rechten Seite – unabhängig von der Kontoart. Ob eine Buchung im Soll oder im Haben zu einer Zunahme oder Abnahme führt, hängt aber von der Kontoart ab (siehe Tabelle oben).

Was heisst es umgangssprachlich, wenn ein Konto „im Soll“ ist?

Achtung, Verwechslungsgefahr: Im Alltag sagt man oft, ein Bankkonto sei „im Soll“, wenn es überzogen bzw. im Minus ist. Das hat mit der buchhalterischen Bedeutung von Soll und Haben nichts zu tun. In der Buchhaltung ist das Soll einfach die linke Seite eines Kontos – ob das für dein Vereinskonto positiv oder negativ ist, hängt von der Kontoart ab.

Was bedeutet „Soll an Haben“?

„Soll an Haben“ ist die klassische Kurzform für eine Buchung, auch Buchungssatz genannt: Zuerst wird das Konto genannt, das im Soll bebucht wird, danach das Konto im Haben. „Kasse an Mitgliederbeiträge“ heisst also: Die Kasse wird im Soll, das Konto Mitgliederbeiträge im Haben bebucht.

Wie merke ich mir Soll und Haben am einfachsten?

Am einfachsten mit der Eselsbrücke: Da wo das Geld hin „soll“, ist das Soll. Da wo wir es jetzt „haben“, ist das Haben. Für den Alltag reicht diese Eselsbrücke meistens aus – bei Spezialbuchungen hilft zusätzlich die Übersicht nach Kontoart weiter oben.

Übernimmt eine Vereinssoftware die Zuordnung automatisch?

Ja. Buchhaltungstools wie Webling schlagen dir bei jeder Buchung direkt die richtige Seite vor. Du musst dir Soll und Haben also nicht bei jeder einzelnen Buchung neu herleiten.

Alles klar? Habt ihr noch weitere Tipps und Tricks für die doppelte Buchhaltung, die ihr mit uns teilen möchtet? Wir freuen uns über deinen Kommentar.

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