Der Verein ist gegründet, die Statuten unterschrieben, und die ersten Mitgliedsbeiträge sollen aufs Konto. Nur: welches Konto? Fast jede Bank in der Schweiz bietet ein eigenes Vereinskonto an, die Konditionen unterscheiden sich aber deutlich. Dieser Artikel zeigt, was ein Vereinskonto leistet, was es kostet und worauf du bei der Kontoeröffnung achten solltest.
Was ist ein Vereinskonto?
Ein Vereinskonto ist eine eigene Kontoart, auf die praktisch jede Schweizer Bank spezialisiert ist. Damit wickelt dein Verein ab, was sonst über Bargeld oder Privatkonten laufen würde:
- Mitgliederbeiträge einziehen oder entgegennehmen
- Rechnungen bezahlen
- Vereinsvermögen verwalten, getrennt von privatem Geld
In der Schweiz gibt es schätzungsweise 90’000 bis 100’000 Vereine, eine genaue Zahl lässt sich mangels Registrierungspflicht nicht ermitteln. Entsprechend hart werben Banken um diese Kundschaft, oft mit eigenen Vereinspaketen statt einem simplen Konto.
Ist ein Vereinskonto Pflicht?
Nein. Das Gesetz schreibt keine Kontoführung vor, dein Verein könnte theoretisch auch eine Barkasse führen. Das Zivilgesetzbuch verlangt jedoch eine ordentliche Buchführung, und Mitglieder wollen an der Jahreshauptversammlung nachvollziehen können, wohin ihr Geld fliesst. Ein Vereinskonto liefert diese Transparenz, eine Barkasse kaum.
Vorteile eines Vereinskontos
Ein Vereinskonto trennt sauber, was dem Verein gehört, von dem, was einer Privatperson gehört. Kein Geld verschwindet in einer Schublade, keine Vermischung mit dem Konto des Kassiers.
Bei der Bank hinterlegst du, wer über das Konto verfügen darf, etwa Präsidentin und Kassier gemeinsam. Damit schaut nie nur eine Person allein aufs Geld.
Und Banken behandeln Vereine oft günstiger als Firmen. Auffällig oft kommt dazu ein Rabatt auf eine Vereinssoftware: Raiffeisen und Clientis-Banken vergünstigen ClubDesk, die Zürcher Kantonalbank und die Luzerner Kantonalbank verweisen auf Fairgate und Localclubs. Wer ohnehin eine solche Software plant, sollte die Kombination aus Konto und Software-Rabatt in die Rechnung einbeziehen, nicht nur die Kontoführungsgebühr allein.
Wer haftet, wer unterschreibt: Governance-Fragen vor der Kontoeröffnung
Die Statuten regeln, was die Bank später verlangt. Vor der Kontoeröffnung braucht dein Verein deshalb formell gültige Statuten und einen Vorstand, den die Vereinsversammlung gewählt hat. Die Statuten müssen den Vereinszweck, die Mittel und die Organisation festhalten, sonst lehnt die Bank die Eröffnung ab.
Für die Kontoeröffnung selbst verlangt die Bank die Statuten und das Protokoll der letzten Vereinsversammlung, unterzeichnet von Präsidentin und Aktuar. Ist der Verein neu gegründet, reicht das Gründungsprotokoll, sofern daraus hervorgeht, wer in den Vorstand gewählt wurde. Steht der Verein im Handelsregister, kommt der Handelsregisterauszug dazu.
Wer unterschreiben darf, hängt von den Statuten ab. Ohne Handelsregistereintrag ist grundsätzlich jedes Vorstandsmitglied einzeln zeichnungsberechtigt, ausser die Statuten regeln das anders, etwa mit Kollektivunterschrift zu zweit. Für finanzielle Verbindlichkeiten haftet nur das Vereinsvermögen, nicht die einzelnen Mitglieder, ausser die Statuten sehen das ausdrücklich vor.
Diese Regeln gelten unabhängig von der Bank, sie ergeben sich aus dem Vereinsrecht im Zivilgesetzbuch. Welche Unterlagen die Bank in welcher Form will, unterscheidet sich trotzdem von Institut zu Institut. Frag deshalb frühzeitig direkt bei deiner Bank nach, bevor du das Protokoll aufsetzt oder Termine für die Kontoeröffnung buchst. Wie du die Zeichnungsberechtigung sauber regelst und was bei einem Vorstandswechsel zu tun ist, steht ausführlich in unserem Artikel Wer darf unterschreiben? So regelst du die Unterschriftsberechtigung im Verein.
Was kostet ein Vereinskonto?
Die Kontoführung selbst ist bei vielen Banken gratis oder kostet einen kleinen Jahresbeitrag für den Kontoabschluss. Teurer wird es bei Zusatzleistungen: Kreditkarte, Bargeldbezug ausserhalb des eigenen Bancomatennetzes oder Gebühren pro Transaktion im elektronischen Zahlungsverkehr. Vor der Kontowahl lohnt sich die Frage, wie viele Karten dein Verein tatsächlich braucht, jede zusätzliche Karte kostet meistens extra.
Wer Mitgliederbeiträge oder Rechnungen zusätzlich digital verschicken will, findet mehr dazu in unseren Artikeln zu eBill für Vereine und E-Rechnung für Vereine 2025.
Schweizer Vereinskonten im Vergleich
Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Angebote nach aktuellem Stand (Juli 2026). Kontoführungsgebühren ändern sich, prüfe die Zahlen vor dem Bankwechsel direkt auf der Website der Bank. Hast du eine Änderung entdeckt oder fehlt deine Bank in der Liste, meld dich gerne in den Kommentaren, wir tragen das nach.
| Bank | Kontoführung | Vorteile | Zu beachten |
|---|---|---|---|
| Kantonalbanken: Thurgauer KB, Schwyzer KB, St.Galler KB, Zuger KB, Luzerner KB | gratis | keine Kontoführungsgebühr, teils gratis quartalsweiser Kontoabschluss; die TKB ist zudem Partnerin von Webling | an Vereinssitz oder -tätigkeit im jeweiligen Kanton gebunden; LUKB verlangt bei der Eröffnung zusätzlich die Unterschrift von zwei zeichnungsberechtigten Vorstandsmitgliedern |
| Zürcher Kantonalbank | CHF 42.– (CHF 3.50 statt CHF 7.– im Monat) | kein Zins, dafür gratis Bargeldbezug, Vorzugskonditionen bei fundoo und TWINT, gratis Drucksachen | nur für Vereine mit Sitz oder Tätigkeit im Kanton Zürich |
| Hypothekarbank Lenzburg | gratis, CHF 5.– für den jährlichen Kontoabschluss | Zins von 0,025 %, gratis Bargeldbezug, 1’000 Einzahlungsscheine gratis pro Jahr | Kommentare von Lesenden weisen auf Einschränkungen bei der Zielgruppe hin; auf der aktuellen Produktseite sind aber ausdrücklich Männerchöre, Turn-, Musik- und Fussballvereine als Zielgruppe genannt. Vor der Eröffnung direkt bei der Hypi nachfragen, ob dein Vereinstyp infrage kommt |
| Bank Avera (Regionalbank Raum Zürioberland) | CHF 48.– (CHF 4.–/Monat) | regionale Genossenschaftsbank, primär für Vereine im Einzugsgebiet gedacht | |
| Clientis-Gruppe (z. B. Bank Aareland) | gratis Kontoführung und Buchungsspesen | Rabatt auf ClubDesk, Debit Mastercard für CHF 40.– im Jahr | eigenständige Regionalbanken, Konditionen können von Bank zu Bank leicht abweichen |
| PostFinance | Grundgebühr, regional und je nach Paket unterschiedlich (frühere Angabe: ab CHF 75.– jährlich) | keine Zusatzgebühren im elektronischen Zahlungsverkehr | Gebühren auf Bargeldtransaktionen, kein Zins, im Vergleich meist teurer |
| Raiffeisen (Vereinspaket) | regional unterschiedlich, je nach Genossenschaftsbank | Crowdfunding über lokalhelden.ch, TWINT für Vereine, Vereinssoftware ClubDesk mit Rabatt | Gebühr hängt von der lokalen Raiffeisenbank ab, online direkt nach PLZ prüfen |
| Grossbanken: UBS, Migros Bank, Bank Cler | kein eigenes, separat beworbenes Vereinskonto | Verein läuft über das reguläre Geschäfts- bzw. KMU-Konto | meist teurer als ein dediziertes Vereinskonto, lohnt sich eher für grosse Vereine mit sonstigem Geschäftsbezug zur Bank |
| Neobanken: Neon, Yuh, Zak, Alpian | – | – | bieten aktuell keine eigene Kontoart für Vereine an, ausgerichtet auf Privatpersonen |
Was tun, wenn deine Bank kein spezialisiertes Vereinskonto anbietet
Viele Vereine bankieren dort, wo sie schon vor der Vereinsgründung ein Konto hatten, und das ist oft eine Bank ohne eigenes Vereinskonto. UBS und Migros Bank etwa führen keine separate Kontoart für Vereine. Vier Schritte helfen trotzdem weiter.
Frag zuerst nach den Vereinskonditionen, nicht nur nach dem Standardkonto. Fehlt eine Vereinskonto-Seite auf der Website, heisst das nicht, dass die Bank keine Vereinskonditionen kennt, viele Grossbanken lösen das über die Kundenberaterin statt über ein separates Produkt. Ein Anruf klärt das schneller als die Suche auf der Website.
Bist du bei einer Genossenschaftsbank, lohnt sich die Mitgliedschaft. Raiffeisen und Bank Avera sind Genossenschaften, ihre günstigen Vereinskonditionen hängen oft an einer Mitgliedschaft des Vereins, die meist nichts kostet.
Bleibt die Bank beim regulären Geschäftskonto, eröffne ein Zweitkonto bei einer Kantonalbank. Die Kontoführung kostet dort meist nichts, etwa bei der Thurgauer, der Schwyzer, der St.Galler, der Zuger oder der Luzerner Kantonalbank, ebenso bei der Hypothekarbank Lenzburg.
Vor dem Wechsel den Aufwand einrechnen: neue IBAN an alle Mitglieder kommunizieren, Daueraufträge und LSV-Mandate umziehen. Bei kleinen Vereinen mit wenig Zahlungsverkehr überwiegt die Ersparnis über die Jahre trotzdem meistens.
Fazit: Welches Vereinskonto passt zu deinem Verein?
Bei den Kantonalbanken, der Hypothekarbank Lenzburg und den Clientis-Banken zahlst du am wenigsten für die reine Kontoführung, dafür bist du oft an einen Kanton oder eine Region gebunden. PostFinance liegt im Vergleich meist am teuersten, ohne die Zusatzleistungen der anderen Anbieter. Raiffeisen, ZKB und Bank Avera punkten weniger über den Preis als über Zusatzangebote wie Crowdfunding-Plattformen, TWINT-Lösungen oder eine vergünstigte Vereinssoftware. Bei den Grossbanken UBS, Migros Bank und Bank Cler landet dein Verein mangels eigenem Vereinskonto meist im teureren Geschäftskontensegment.
Am Ende zählt, was dein Verein wirklich braucht: reine Kontoführung zum Tiefstpreis, oder ein Vereinspaket mit Software und Fundraising-Anbindung. Und weil die Statuten festlegen, wer unterschreiben darf und wer haftet, lohnt sich ein Blick dorthin, bevor du überhaupt eine Bank kontaktierst.
Welches Konto passt zu deinem Verein? Hast du ein spannendes Angebot gefunden, das du unbedingt mit dem Rest der Vereinswelt teilen möchtest? Dann teile es uns in den Kommentaren mit.
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Quellen
- Anzahl Vereine in der Schweiz – vitamin B (laufend aktualisiert)
- Angaben zu Statuten, Zeichnungsberechtigung und Haftung: allgemeines Vereinsrecht, Art. 60 ff. ZGB, sowie FAQ zum Raiffeisen Vereinspaket




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